SchwerpunktGesundheits- und Krankenpflegeberufe

Wünschen Sie sich einen abwechslungsreichen Beruf, in dem Sie anderen Menschen helfen können und der gleichzeitig krisensicher ist? Sie haben keine Berührungsängste, sind einfühlsam, körperlich fit und interessieren sich für medizinische Themen? Dann ist ein Beruf in der Pflege vielleicht genau das Richtige für Sie! In diesem Schwerpunkt erfahren Sie unter anderem, welche Pflegeberufe und Ausbildungen es gibt und welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen.

Pflegeausbildungen | Für größere Ansicht auf das Bild klicken

Der Bedarf an Fachkräften in der Pflege steigt zunehmend. Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Bevölkerung brauchen immer mehr Menschen Pflege und Betreuung. Im Jahr 2016 wurde die Pflegeausbildung neu geregelt: Neben der Pflegeassistenz (früher Pflegehilfe) und dem gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege gibt es nun einen dritten Pflegeberuf, die Pflegefachassistenz. Somit gibt es im Bereich Pflege eine 1-jährige, 2-jährige und 3-jährige Ausbildung (siehe Grafik).

ZUGANGSVORAUSSETZUNGEN

Allgemein:

  • Gesundheitliche Eignung
  • Vertrauenswürdigkeit (Strafregisterbescheinigung)
  • Deutschkenntnisse
  • Aufnahmeverfahren

Pflegeassistenz: erfolgreich absolvierte 9. Schulstufe oder Pflichtschulabschluss-Prüfung und berufliche Erstausbildung (z.B. Lehre oder BMS/BHS – in bestimmten Fällen auch ohne möglich), ab 17 Jahren

Pflegefachassistenz: erfolgreich absolvierte 10. Schulstufe oder Berechtigung zur Ausübung der Pflegeassistenz, ab 17 Jahren

Gehobener Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (FH): Matura, Berufsreifeprüfung, Studienberechtigungsprüfung oder einschlägige berufliche Qualifikation

© AMS/Chloe Potter

Was erwartet Sie in einem Pflegeberuf?

Pflegebedürftige Menschen betreuen und Ärzt_innen bei Aufgaben im Bereich Diagnostik und Therapie unterstützen – das sind die Hauptaufgaben von Pflegekräften. Die Tätigkeiten sind vielfältig: Patient_innen bei der Körperpflege und beim Essen unterstützen, Medikamente verabreichen, Verbände wechseln, standardisierte Tests durchführen, Blut abnehmen und alle Pflegemaßnahmen dokumentieren sind nur einige Beispiele. Die genauen Aufgaben und Tätigkeiten sind für jeden der 3 Pflegeberufe gesetzlich geregelt. Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen z.B. in Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Geriatriezentren oder in der Hauskrankenpflege.

© AMS/Chloe Potter

Mit einer Pflegeausbildung haben Sie ausgezeichnete Jobperspektiven und gute Chancen auf eine finanzielle Förderung.

Insbesondere eine Pflegeassistenz- oder Pflegefachassistenzausbildung kann für einen beruflichen Neustart eine interessante Möglichkeit sein. Unter bestimmten Voraussetzungen können Förderungen wie z.B. das Fachkräftestipendium oder – je nach Bundesland – weitere Förderungen oder Programme in Anspruch genommen werden. Fragen Sie in Ihrer AMS-Geschäftsstelle nach oder informieren Sie sich mithilfe der Datenbank Kursförderung. Nutzen Sie auch die Angebote der Bildungsberatungsstellen in Ihrem Bundesland oder der Online-Bildungsberatung Österreich.

ERFAHRUNGSBERICHT: Beruflicher Neustart in der Pflege

© iStock.com/oatawa

Kerstin H. absolviert seit 2020 beim Wiener Gesundheitsverbund eine Ausbildung zur Pflegefachassistentin. Die 2-fache Mutter verwirklicht damit einen lange gehegten Berufswunsch.

Warum haben Sie sich für die Ausbildung zur Pflegefachassistentin entschieden?

Nach 20 Jahren im Job als Flugbegleiterin wollte ich eine Veränderung und mich beruflich weiterentwickeln. Ich war schon länger nicht mehr glücklich in meinem Beruf. Die Corona-Krise war nicht der Grund, hat meine Entscheidung aber zusätzlich bestärkt, weil ich auch meine Zukunftschancen verbessern will. Der Gesundheits- und Sozialbereich hat mich immer schon sehr interessiert. Bereits mit 19 Jahren hatte ich in diese Richtung überlegt, mich dann aber doch anders entschieden. Vielleicht war es damals noch nicht der richtige Zeitpunkt. 2019 habe ich mich intensiv über Pflegeberufe und auch über mögliche Förderungen informiert und war beim Tag der offenen Tür in einer Krankenpflegeschule. Ich habe auch Beratungen beim AMS und beim WAFF in Anspruch genommen und mich schließlich für die Ausbildung als Pflegefachassistentin, die mit dem Fachkräftestipendium gefördert wird, entschieden.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die Vollzeit-Ausbildung dauert insgesamt 2 Jahre und besteht aus Theorie- und Praxisblöcken. Wegen Corona findet der Theorieunterricht zurzeit bis auf ein paar Lehrveranstaltungen vor allem online statt. Das funktioniert sehr gut, weil alles toll organisiert ist. Die Praxisstunden werden auf verschiedenen Stationen bzw. in Pflegeeinrichtungen absolviert. So lernen wir schon in der Ausbildung viele mögliche Bereiche kennen. Im Moment bin ich in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung eingesetzt.

[Was gefällt Ihnen besonders gut an der Ausbildung? Wo liegen die Herausforderungen?

Die Vielfalt der Themen finde ich total spannend – von den Grundlagen der Pflege und medizinischen Inhalten über Kommunikation bis zu rechtlichen Aspekten – und zu verstehen, wie alle Bereiche zusammenspielen. Der Lernstoff ist schon recht umfangreich, aber sehr interessant. Anfangs war es ungewohnt, wieder zur Schule zu gehen, aber das hat sich schnell gelegt. Ich habe aber immer schon gerne Neues gelernt und bin generell sehr ehrgeizig. Auch wenn es oft anstrengend ist, macht mir die Ausbildung großen Spaß.

Welche Erfahrungen aus Ihrem früheren Beruf können Sie einbringen?

Als ehemalige Flugbegleiterin bin ich es gewohnt, im Team zu arbeiten, mit verschiedenen Charakteren umzugehen, sorgfältig zu sein und in stressigen Situationen Ruhe zu bewahren. All das braucht man auch in einem Pflegeberuf. Man muss vor allem belastbar sein, gut kommunizieren können und gerne mit Menschen zu tun haben. Sehr wichtig sind auch Lernbereitschaft, Empathie und die Fähigkeit, sich in ein Team zu integrieren. Beispielsweise muss man sich schon während der Ausbildung bei den verschiedenen Praxiseinheiten rasch auf die bestehenden Teams einstellen können. Wenn man eine gewisse Lebens- und Berufserfahrung hat, ist das auf alle Fälle positiv. Es gibt immer Aspekte aus früheren Tätigkeiten, die man in einem neuen Beruf einbringen kann.

Wie schaffen Sie es, Ausbildung und Familie zu vereinbaren?

Ich bin gut organisiert und werde von meiner Familie sehr unterstützt. Man muss die Hilfe aber auch annehmen können und sollte nicht denken, dass man alles selber schaffen muss. Natürlich gibt es auch Zeiten der Überforderung, aber dann halte ich mir immer mein Ziel vor Augen. Ich versuche auch, regelmäßig zumindest kleine Auszeiten einzuplanen. Mir hilft es auch sehr, mich mit meinen Kolleginnen auszutauschen.

In welchem Bereich würden Sie später gerne arbeiten?

Die Langzeitpflege finde ich zum Beispiel sehr interessant, aber ich will mich noch nicht festlegen, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Ich möchte offen sein für alle Bereiche, die ich in der Ausbildung noch kennenlernen werde. Ich könnte mir auch gut vorstellen, nach 2 oder 3 Jahren Berufstätigkeit den Bachelor an der FH anzuhängen.

Haben Sie Tipps für Menschen, die sich beruflich verändern möchten?

Ein beruflicher Neustart ist immer ein Umbruch, aber wenn man den Wunsch in sich spürt und bereit dazu ist, sollte man sich drübertrauen. Wichtig ist, dass man sich gut informiert und zum Beispiel Schnupper- und Infotage besucht. Ich empfehle auch, mit Leuten, die schon in dem Beruf arbeiten, zu sprechen, aber auch mit Menschen, die einem nahestehen. Wenn man eine berufliche Veränderung wirklich will, dann klappt es auch. Man muss nur an sich glauben.

Nähere Informationen zur Ausbildung finden Sie auf der Website des Wiener Gesundheitsverbunds: gesundheitsverbund.at]

BERUFE aus der Pflege: Studium Gesundheits- und Krankenpflege

In diesem Film erklären Diplomierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen aus dem SMZ Süd (Sozialmedizinisches Zentrum Süd) das Berufsbild sowie die Unterschiede zwischen der Akut- und der Langzeitkrankenpflege und Möglichkeiten der Spezialisierung.

Suche
AMS
Suchportal