SchwerpunktFlüchtlings- und Integrationsarbeit

Ein Prozent der Weltbevölkerung ist laut UNHCR auf der Flucht. Häufige Gründe, warum Menschen aus ihrem Heimatland flüchten, sind Krieg, Gewalt, Verfolgung, Verletzung von Menschenrechten, Hungersnöte und Umweltkatastrophen. Zahlreiche Einrichtungen und Organisationen helfen geflüchteten Menschen bei ihrem Start in Österreich. Dieser Schwerpunkt gibt einen Überblick über mögliche Tätigkeitsfelder in der Flüchtlings- und  Integrationsarbeit. Sie erfahren auch, welche Ausbildungen auf eine professionelle Tätigkeit in diesem Bereich vorbereiten.

Beispiele für Tätigkeitsfelder in der Arbeit mit geflüchteten Menschen

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Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen und alles zurücklassen mussten, befinden sich in einer Ausnahmesituation. Ein fremdes Land, eine neue Sprache, eine andere Kultur – vor allem in der ersten Zeit gilt es, viele Hürden und Herausforderungen zu meistern. Hinzu kommen häufig traumatische Fluchterlebnisse, die nur nach und nach verarbeitet werden können. Angefangen bei der Erstaufnahme über die Grundversorgung bis zur Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche gibt es viele Bereiche, in denen professionelle Fachkräfte sowie auch Freiwillige im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit wertvolle Arbeit leisten.

 

Erstbetreuung und Grundversorgung

  • Unterstützung, um Grundbedürfnisse decken zu können
  • Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung oder betreuten Unterkunft
  • Rechtliche Beratung (z.B. zum Asylverfahren)
  • Beratung in gesundheitlichen Fragen
  • Unterstützung bei der ersten Orientierung in Österreich
  • Hilfe bei Behördenangelegenheiten

Psychosoziale und sozialpädagogische Betreuung

  • Hilfe bei der Bewältigung des Alltags
  • Betreuung von Wohngruppen (z.B. für unbegleitete geflüchtete Kinder und Jugendliche)
  • Stabilisierungsgespräche
  • Beratung von Frauen und Mädchen
  • Beratung von Jugendlichen
  • Suche nach einem Therapieplatz (z.B. zur Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen)
  • Freizeitgestaltung und Aktivitäten zur Förderung der Integration [

Bildung und Beruf

  • Beratung bei der Ausbildungswahl
  • Unterstützung bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle
  • Vermittlung und Durchführung  von Deutschkursen sowie Alphabetisierungs- und Basisbildungskursen
  • Nachhilfe, Coaching

Sozialmanagement

  • Planungs- und Administrationsaufgaben in Einrichtungen
  • Leitung von Projekten, z.B. Integrationsprojekte
  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit
  • Finanzierung und Controlling

TIPP: In vielen Einrichtungen gibt es die Möglichkeit zu einem freiwilligen Engagement, z.B. im Rahmen von Buddy- oder Mentoring-Programmen. Eine ehrenamtliche Tätigkeit oder ein Praktikum ist eine gute Möglichkeit, um in einen Bereich hineinzuschnuppern und praktische Erfahrungen zu sammeln.]

Beschäftigungsmöglichkeiten und Ausbildungen

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Je nach Einsatzbereich und Schwerpunkt einer Einrichtung werden in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen gebraucht – die Bandbreite reicht von psychosozialer Betreuung über Deutschunterricht bis zur Bildungsberatung. Eine Ausbildung in einem Sozialberuf, z.B. ein FH-Studium für Soziale Arbeit, bietet eine gute und breite Basis. Auch Ausbildungen in anderen Bereichen sind gefragt – eventuell in Kombination mit einer Zusatzausbildung.

 

Beschäftigungsmöglichkeiten:

  • Erstaufnahmezentren
  • BBU – Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen
  • Beratungs- und Betreuungsstellen für Flüchtlinge von Organisationen wie z.B. Caritas, Diakonie, Volkshilfe und ähnliche Einrichtungen
  • Initiativen und Vereine im Bereich Flüchtlingsarbeit

TIPP: Auf oesterreich.gv.at finden Sie eine umfassende Übersicht zu Beratungs- und Betreuungseinrichtungen, die als Arbeits- oder Praktikumsplatz infrage kommen. [

 

Beispiele für Ausbildungen für Sozialberufe im engeren Sinn:

  • FH-Studiengänge für Soziale Arbeit
  • Universitätsstudien in den Bereichen Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaften
  • Bildungsanstalten für Sozialpädagogik, Kollegs für Sozialpädagogik
  • Schulen für Sozialbetreuungsberufe
  • Lehrgänge für Sozialpädagogik bei Weiterbildungsinstitutionen, z.B. BFI
  • Universitätslehrgänge in den Bereichen Soziale Arbeit, Sozialmanagement, Sozialpädagogik sowie speziell für Migrations- und Integrationsmanagement

Beispiele für Ausbildungen in anderen Bereichen:

  • Universitätsstudium Psychologie
  • Psychotherapeutisches Propädeutikum
  • Universitätsstudium Rechtswissenschaften
  • Pädagogische Ausbildungen
  • Trainer_innen-Ausbildungen (z.B. für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache)
  • Coaching-Ausbildungen

TIPP: Im AMS-Ausbildungskompass finden Sie genauere Informationen zu einzelnen Ausbildungen sowie zu den Standorten, an denen diese angeboten werden.]

Aus der Praxis: Integrationsarbeit mit Jugendlichen

Roobina Ghazarian, Foto: © Nanaz ADAM MEGHERDICHANS

Roobina Ghazarian leitet im Verein Projekt Integrationshaus in Wien das Projekt JAWA Next, das jugendliche Asylberechtigte, subsidiär Schutzberechtigte und Jugendliche mit Migrationshintergrund dabei unterstützt, eine Lehrstelle zu finden. Im Interview erzählt sie über ihre Arbeit mit den Jugendlichen.

Worum geht es bei dem Projekt JAWA Next?

Ziel des Projektes ist eine gute Integration der Jugendlichen in den österreichischen Arbeitsmarkt bzw. in den ersten Lehrstellenmarkt. Die Teilnehmer_innen lernen, welche Lehrberufe es in Österreich gibt. Wir unterstützen sie dabei, ihre realistischen Wunschberufe bzw. Ziele zu erreichen. Neben der Berufsorientierung beinhaltet der Kurs verschiedene Bildungsmodule, Bewerbungstrainings und die Vermittlung von Betriebspraktika. Wir haben einen großen Pool an Firmen und Kooperationspartnern, mit denen wir zusammenarbeiten, und organisieren für die Jugendlichen Praktika, die dann im Idealfall zu einer fixen Lehrstelle führen. Häufig geht es jedoch zunächst einmal darum, verschiedene „Störungen“ zu beseitigen, die die Jugendlichen bremsen, zum Beispiel wenn sie eine neue Unterkunft brauchen oder andere Probleme in ihrem Leben haben. Wir versuchen, diese zu lösen, sprechen in manchen Fällen mit den Eltern oder begleiten die Jugendlichen zu einer spezialisierten Beratungsstelle. Eine stabile Lebenssituation ist die Grundvoraussetzung, um auch beruflich Fuß fassen zu können. [

Was ist für Sie das Besondere an der Arbeit mit Jugendlichen?

Wir haben eine große Vorbildwirkung für die Jugendlichen, leisten viel Grundlagenarbeit und haben somit einen großen Einfluss auf ihr weiteres Leben. Im Vergleich zur Arbeit mit Erwachsenen sehen wir Erfolge oft viel deutlicher. Die Arbeit mit Jugendlichen ist meist auch sehr lustig und positiv. Wir müssen uns immer auf neue Themen und Situationen einstellen. Wenn wir unseren Job gut machen, können wir sehr viel bewirken. Wir schaffen für die Jugendlichen einen geschützten Bereich und sind einfach auf ihrer Seite.

Welche persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten sollten Menschen mitbringen, wenn sie in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit tätig sein möchten?

Man muss vor allem sehr reflektiert sein. Jeder Mensch hat gewisse Vorurteile – wichtig ist jedoch, dass man sich darüber bewusst ist. Humor, Offenheit und Empathie sind ebenfalls sehr wichtig sowie auch die Fähigkeit, sich abgrenzen zu können. Jede/jeder Jugendliche kommt mit einem „Rucksack“ – manche mit kleineren Problemen, manche mit größeren. Wir bekommen sehr viel mit und natürlich macht das etwas mit uns. Trotzdem können wir nur dann gut arbeiten, wenn wir eine gewisse Abgrenzung schaffen. Sehr wichtig ist auch Teamfähigkeit, denn wir besprechen alle Schwierigkeiten im Team. Speziell in unserem Bereich müssen wir offen für unterschiedliche Länder und Kulturen sein und auch bereit sein, uns mit den jeweiligen Besonderheiten auseinanderzusetzen.

Welche formalen Ausbildungen sind gefragt? Welche Möglichkeiten haben Quereinsteiger_innen?

Allgemein gibt es in der Flüchtlingsarbeit eine große Bandbreite an möglichen Ausbildungen, zum Beispiel psychosoziale Ausbildungen, Trainer_innen-Ausbildungen oder ein Studium für Soziale Arbeit. Auch Bildungsmanagement, Coaching, Supervision, Psychologie, Psychotherapie und Sprachen sind gefragte Bereiche. Speziell in der Bildungs- und Arbeitsmarktberatung sind in erster Linie Personen mit Trainings- und Coaching-Ausbildungen in den unterschiedlichsten Bereichen tätig, aber auch Sozialarbeiter_innen, die zum Beispiel Einzelberatungen durchführen. Auf alle Fälle ist es vorteilhaft, wenn jemand schon eine gewisse Berufs- und Lebenserfahrung mitbringt und mindestens 26 Jahre oder besser noch älter ist. Insofern haben Quereinsteiger_innen besonders gute Chancen. Auch JAWA Next profitiert sehr von den Kompetenzen, die Kolleg_innen aus ihren ursprünglichen Berufen mitbringen. Beispielsweise haben wir nur deshalb ein Foto- und Videoatelier, weil ein Kollege ursprünglich aus dem Bereich Fotografie kommt oder können das Fach „Awareness – Stabilisierung“ anbieten, weil wir bei uns im Team eine Psychotherapeutin als Trainerin haben.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Beruf?

Ich komme täglich sehr glücklich zu meiner Arbeit. Mein Job ist voller Überraschungen und sehr lebendig. Besonders schön finde ich, dass wir an den Erfahrungen der Jugendlichen teilhaben und immer sehr lösungsorientiert arbeiten können. Wir betrachten jede Person individuell und versuchen dementsprechend für die Jugendlichen die jeweils beste Lösung zu finden. Das ist möglich, weil der waff, unser Fördergeber, das Konzept von JAWA voll mitträgt. Außerdem funktioniert die Zusammenarbeit mit dem AMS Jugendliche (U25) sehr gut. Das Schöne an unserer Arbeit ist das Wissen, dass man jeden Tag etwas Gutes und Sinnvolles macht.

 

Der Verein Projekt Integrationshaus bietet die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren, zum Beispiel im Rahmen einer Ausbildung aus folgenden Bereichen: FH-Studium für Soziale Arbeit, Studium der Psychologie oder Pädagogik, Propädeutikum, Kolleg für Sozialpädagogik. Nähere Informationen finden Sie auf der Website des Integrationshauses.

Informationen zur Möglichkeit einer freiwilligen Mitarbeit auf ehrenamtlicher Basis finden Sie hier.]

SozialpädagogIn in sozialpädagogischen Einrichtungen

In diesem Film werden folgende Berufe im Bereich Soziale Arbeit vorgestellt: Eine Sozialpädagogin und eine Sozialarbeiterin mit Schwerpunkt Familienarbeit berichten von ihrer Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

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